Meditationen für jeden Tag, Francisco Fernández Carvajal

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Donnerstag, den 30. Mïżœrz 2017 


Meditationen für jeden Tag
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FASTENZEIT
4. WOCHE - DONNERSTAG

30

DIE HEILIGE MESSE

Jesu Opfer auf Golgota. Merkmale des Opfers.
Der Opferwille unseres Herrn. In der heiligen Messe geben wir uns in Christi einmalige Opfertat hinein.
Die Mitte des liturgischen Lebens der Kirche soll Mitte unseres persönlichen Lebens sein.

I. In der ersten Lesung der heutigen Messe hören wir, wie Mose bei Jahwe FĂŒrsprache einlegt, damit Gott die Untreue seines Volkes nicht bestrafe. Die GrĂŒnde, die Mose vorbringt, sind ergreifend: der Ruhm des Herrn bei den Heiden, die Treue zum BĂŒndnis mit Abraham und seinen Nachkommen ... und der Herr vergibt aufs neue seinem untreu gewordenen Volk. Die unermeßliche Liebe Gottes zu den Menschen, die sich hier andeutet, sollte in einem bestimmten Augenblick der Geschichte ihren Höhepunkt erreichen: Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.1

Durch die Hingabe des Sohnes erreicht Gottes Liebe jeden einzelnen Menschen. Christus, der Sohn Gottes, hat mich geliebt und sich fĂŒr mich hingegeben2, wie Paulus an die Galater schreibt. Opferlamm und Priester zugleich, vergießt er sein Blut fĂŒr uns im Gehorsam gegen den Willen des Vaters. Diese innere Hingabe seiner selbst ist es, was das Wesen seines Opfers ausmacht.

Nach der klassischen Theologie charakterisieren jedes wirkliche Opfer vier wesentliche Merkmale: der Priester, der das Opfer darbringt, das Opfer selbst, die innere Hingabe und ihr Ă€ußerer Ausdruck. Das letzte Wort Christi am Kreuz - Vater, in deine HĂ€nde lege ich meinen Geist3 - faßt diese vier Merkmale zusammen. Der HebrĂ€erbrief folgert daraus: Da wir nun einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, laßt uns an dem Bekenntnis festhalten. Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfĂŒhlen könnte mit unserer SchwĂ€che, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung gefĂŒhrt worden ist, aber nicht gesĂŒndigt hat.4

Das Kreuzesopfer ist einzigartig. Priester und Opfer sind ein und dieselbe göttliche Person: der fleischgewordene Sohn Gottes. Zu jeder Zeit seines irdischen Lebens lebte der Herr in vollkommener Übereinstimmung mit dem Willen des Vaters, auf Golgota jedoch fand seine Hingabe ihren vollkommenen Ausdruck.

Da wir, auf dem Weg der Nachfolge des Herrn, in unserem Leben sein Leben widerspiegeln wollen, fragen wir uns heute im Gebet, ob wir wirklich gewillt sind, uns mit Christi Opfer an den Vater zu vereinigen. Mit anderen Worten: ob es uns gelingt, den Willen des Vaters jederzeit anzunehmen, in Freude und Kummer, im gewöhnlichen Alltag oder auch in außerordentlichen Situationen.

»Meine Mutter, meine Gebieterin: lehre mich, mein Ja so zu sprechen wie du, damit es ganz und gar in den Ruf Jesu an seinen Vater einmĂŒnde: non mea voluntas ... (Lk 22,42), nicht mein Wille, sondern der Wille Gottes geschehe.«5

II. Heute betrachten wir in unserem Gebet den Opferwillen Jesu Christi. In der heiligen Messe wird er gegenwĂ€rtig. Zu jedem Opfer gehören die immolatio (der Opfervollzug) und die oblatio (der Opferwille). »Das ganze Leben des Herrn war eine einzige, immer neue Oblatio. Sein Eintritt in die Welt ist begleitet vom Opfergebet: >Siehe, ich komme, deinen Willen zu erfĂŒllen< (Hebr 10,7 mit Ps 40,7-9). Er verlangt, mit der Taufe des Leidens getauft zu werden, und glĂŒht, bis sie vollendet ist (vgl. Lk 12,50). Er sagt, der Menschensohn ist gekommen als Lösegeld fĂŒr die Vielen (Mk 10,45). Seine Abschiedsreden sind eine OpferprĂ€fation. Die Einsetzung der Eucharistie weist hin auf das Kreuzesopfer, auf das vergossene Blut, das den Vielen zum Heile dient. So durchsetzen das Evangelium die Zeugnisse seiner Oblatio, seines Hingabewillens. Seine Immolatio, sein Opfervollzug, liegt in seinem gesamten Leiden vom Ölberg, von Verrat und Gefangennahme bis zum letzten Wort, bis zum Todeshauch.«6

Das Kreuzesopfer und die heilige Messe sind, wenn auch durch die Zeit getrennt, ein und dasselbe Opfer. Zwar wird in der heiligen Messe nicht das grausame, blutige Geschehen auf Golgota gegenwĂ€rtig, wohl aber die vorbehaltlose, liebende Hingabe des Sohnes an den Willen des Vaters. Der Opfervollzug als einmalige historische Handlung bleibt unwiederholbar, weil er eben mit dem Tode endet. Der Opferwille dagegen kann ein ganzes Leben ausfĂŒllen und auch nach Vollendung des einmaligen Opfers noch als Grundhaltung bestehen bleiben: »Der einmalige, den Gesetzen von Raum und Zeit unterworfene Opferakt Jesu Christi ist vergangen und hat das große Werk der Erlösung bewirkt. Er ist nicht wiederholbar und bedarf keiner Erneuerung, weil alles in ihm erneuert wurde. Doch es lebt weiter in Ewigkeit die Opferliebe, der Opferwille, die Opferhingabe an uns. Wenn Jesus Christus zu uns kommt, dann kommt in ihm und mit ihm diese Opferliebe, dann wird gegenwĂ€rtig sein Opfer. (...) In diesem Sinne ist die Messe wahres Opfer: Die verewigte Opferhingabe Christi, vergegenwĂ€rtigt mit seiner Persönlichkeit. Die heilige Messe ist nicht Opfer durch eine Wiederholung der Schmerzen des Opferaktes und Opfervollzuges vom Karfreitag. Doch ist der heiligen Messe nicht nur eine Oblatio, nĂ€mlich die Opferliebe Christi, eigen. Sie trĂ€gt in sich auch eine Immolatio - und zwar den Opfervollzug der Kirche, der versammelten Gemeinde, der einzelnen mitfeiernden Persönlichkeit. Wir sind ohne unser Zutun erlöst. Uns kommt es zu, ein Ja zu sagen zu dem, was der Herr fĂŒr uns geopfert hat. Das geschieht in der heiligen Messe. In ihr geben wir uns in Christi einmalige Opfertat hinein und lassen davon unser Leben als stĂ€ndig neuen Opfervollzug geformt sein.«7

Verlebendigen wir in unserem Alltag die Haltungen, die wir im Opferwillen Christi finden: die Liebe, den Einklang mit dem Willen des Vaters, die Hingabe seiner selbst, das Bewußtsein, am Erlösungswerk Christi mitzuwirken.

III. Das innere Opfer Jesu Christi ist auf Golgota und in der Messe dasselbe: derselbe Priester, dasselbe Opfer, dieselbe Hingabe und Unterwerfung unter den Willen des Vaters. Unterschiedlich ist nur die Ă€ußere Gestalt dieser Hingabe: auf Golgota zeigt sie sich im Leiden und Sterben Jesu, in der heiligen Messe durch die sakramentale, unblutige Trennung von Leib und Blut durch die Transsubstantiation von Brot und Wein.

Der Priester handelt in persona Christi, des höchsten und ewigen Priesters: »Jede Messe, auch wenn sie privat vom Priester zelebriert wird, ist dennoch nicht privat, sondern ein Akt Christi und der Kirche, und diese Kirche lernt im Opfer, das sie darbringt, sich selbst als universales Opfer darzubringen, und sie wendet die einzige und unendliche erlösende Kraft des Opfers des Kreuzes der ganzen Welt zum Heil zu.«8

Da das Meßopfer dem Wesen nach eins ist mit dem Opfer am Kreuze, hat es einen unendlichen Wert, denn die QualitĂ€t der Anbetung, des Dankes und der SĂŒhne, die in jeder Messe dem Vater dargebracht werden, wird nicht von den persönlichen Voraussetzungen der Teilnehmenden oder des feiernden Priesters bestimmt, sondern von Christus selbst: Er ist der Opfernde und die Opfergabe. Es gibt somit keine vollkommenere Möglichkeit, Gott anzubeten, als das Meßopfer.

Es gibt auch keine bessere Möglichkeit, Gott Dank zu sagen fĂŒr alles, was er ist, und fĂŒr die niemals versiegende Barmherzigkeit, die er uns schenkt. Nichts auf Erden kann Gott so wohlgefĂ€llig sein wie das Opfer auf dem Altar. Jedesmal wenn wir die heilige Messe feiern, wird durch die unendliche Hoheit dessen, der Priester ist und Opfer zugleich, SĂŒhne geleistet fĂŒr alle SĂŒnden der Welt: Es ist dies die einzig angemessene und vollkommene Wiedergutmachung, die es gibt. Die Aufopferung der Freuden und MĂŒhen des Alltags erhĂ€lt eine neue QualitĂ€t, wenn wir sie mit dem Opfer Christi verbinden. In der heiligen Messe »wird das eingeschrieben, was das Leben jedes Menschen am tiefsten besitzt: das Leben des Vaters, der Mutter, des Kindes und des alten Menschen, des Jungen und des MĂ€dchens, des Professors und des Studenten, des Bauern und des Arbeiters, des gebildeten Menschen und des einfachen Menschen, der Ordensfrau und des Priesters. Jedes Menschen ohne Ausnahme. Das Leben des Menschen wird durch die Eucharistie in das Mysterium des lebendigen Gottes eingeschrieben.«9

Trotz des unendlichen Wertes jeder heiligen Messe werden ihre Wirkungen in uns durch unsere persönlichen Voraussetzungen eingeschrĂ€nkt. Deshalb lĂ€dt uns die Kirche ein, am heiligen Geschehen »bewußt, tĂ€tig und mit geistlichem Gewinn« teilzunehmen11. Die Darbringung der Gaben, Wandlung und Kommunion... in jedem Augenblick des heiligen Geschehens können wir versuchen, das HerzstĂŒck der ganzen Liturgie zum Mittel- und Bezugspunkt unseres Alltags werden zu lassen. Unsere Vereinigung mit C= teilzunehmen10. Die Darbringung der Gaben, Wandlung und Kommunion... in jedem Augenblick des heiligen Geschehens können wir versuchen, das HerzstĂŒck der ganzen Liturgie zum Mittel- und Bezugspunkt unseres Alltags werden zu lassen. Unsere Vereinigung mit hristus im Moment der Wandlung wird um so inniger sein, je mehr wir in unserem Alltag eins sind mit dem Willen Gottes. Das »Durch ihn und mit ihm und in ihm« wird dann unseren ganzen Tag durchdringen: die Berufsarbeit, den Umgang mit Freunden und Kollegen, die Freuden und Sorgen der Familie...

Dann wird der Herr den Heiligen Geist mit allen seinen Gnadengaben ĂŒber uns ausgießen.

1 Joh 3,16. - 2 Gal 2,20. - 3 Lk 23,46. - 4 Hebr 4,14-15. - 5 J. Escrivá, Der Kreuzweg, IV,1. - 6 Th. Schnitzler, Was die Messe bedeutet, Freiburg 1976, S.34. - 7 ebd., S.35. - 8 Paul VI., Enz. Mysterium Fidei, 3.9.1965, 4. - 9 Johannes Paul II., Homilie zum Abschluß des 20. Nationalen Italienischen Eucharistischen Kongresses, 22.5.1983. - 10 II. Vat. Konz., Konst. Sacrosanctum Concilium, 11.



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