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Francisco Fernández-Carvajal Hablar con Dios

OSTERZEIT
5. WOCHE - DIENSTAG

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MEINEN FRIEDEN GEBE ICH EUCH

Ein Gruß von großer Tragweite.
Frieden von innen nach außen.
In der Gesellschaft.

I. Das Evangelium der heutigen Messe bildet den Abschluß der ersten Abschiedsrede des Herrn. Er hat seinen Jüngern das neue Gebot gegeben, er hat ihnen den Weg zum Vater gewiesen und den Beistand, den Tröster, verheißen. Von neuem sagt er ihnen, daß er fortgeht, diesmal aber - wie alles zusammenfassend - verbindet er diese Ankündigung mit dem Wort vom Frieden: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie ihn die Welt gibt, gebe ich euch. »Der Friede, von dem er spricht, bedeutet nicht irdisches Wohlergehen, meint auch nicht den inneren Seelenfrieden, sondern bezeichnet das Heil, das Gott allein schenken kann.«2 Deshalb kann der Herr ergänzen: In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.3 Es ist, als sagte er ihnen: sucht und erwartet nicht einen problemlosen Frieden, von außen kommend; ich bin der, der ihn euch gibt, nicht die Welt; und ich gebe ihn euch als ein Heilsgut, das von mir ausgeht.

Johannes Chrysostomos mahnt seine Zuhörer: »Die Worte des Herrn gelten nicht bloß den Aposteln, sondern auch den Geheiligten, die nach ihnen kommen. Suchen wir ihrer Nachfolge würdig zu werden. (...) Halten wir es nicht für einen geringen Verlust, einen solchen Frieden nicht zu erlangen (...). Wir müssen alles tun, um seiner teilhaft zu werden, in der Familie wie in der Kirche.«4

Die liturgische Zeit, in der wir stehen - zwischen Ostern und Pfingsten - begann mit dem Friedensgruß: Pax vobis! Friede sei mit euch. Es ist das unter den Juden übliche , das ursprünglich einen Zustand des Unversehrtseins, der inneren Harmonie, der Sehnsucht des gespaltenen Menschen nach Ganzheit bezeichnete. Jesus, so dürfen wir annehmen, hat seine Jünger oft mit diesem Wort begrüßt, doch am Abend des Ostertages muß es die Jünger überdies wie die Zusicherung angekommen sein, daß ihre Feigheit und ihr Versagen nichts an der Zuwendung des Herrn geändert haben. Jetzt ist ihnen mit Jesu Gruß der Frieden wiedergeschenkt.

Die Grußformel als Friedenswunsch hat sich unter den ersten Christen erhalten, wie wir aus zahlreichen Inschriften der christlichen Frühzeit und besonders aus den Apostelbriefen erfahren6. Sie ist auch in die Liturgie eingegangen und kann uns verdeutlichen, wie bedeutsam auch im Alltag ein sinnvoller Gruß für die Begegnung untereinander ist. Was können wir jemandem Besseres wünschen als Pax Christi, den Frieden Christi? Natürlich bleibt ein oft gesprochenes Grußwort meistens hinter dem zurück, was es in seiner vollen Bedeutung meint. Aber vielleicht entdecken wir jetzt - betend -, daß unser Menschsein ganz entscheidend dadurch bestimmt wird, daß wir untereinander Brüder und Schwestern sind: »Das ist der Friede. Christus hat mit einem einzigen Wort diese höchst menschliche Bestimmung prophetisch zusammengefaßt, als er zu den Menschen dieser Welt sprach: >Ihr alle seid Brüder< (Mt 23,8). Und als er uns die tröstende und sonnenhelle Wahrheit der Vaterschaft Gottes offenbarte, verlieh er der universalen menschlichen Brüderlichkeit ihren Existenzgrund, ihre Fähigkeit, sich zu verwirklichen. (...) Das ist der Friede, nämlich die einmütige, feste, freie und glückliche Brüderlichkeit der Menschen untereinander.«7

Mancherorts ist ein »Grüß Gott« üblich. Aber auch dort, wo »Guten Tag« zur Höflichkeitsformel geworden ist, läßt sich dieser Gruß mit einer Geste der Offenheit, mit einem freundlichen Blick oder vielleicht sogar mit einem kurzen Gebet - etwa zum = zur Höflichkeitsformel geworden ist, läßt sich dieser Gruß mit einer Geste der Offenheit, mit einem freundlichen Blick oder vielleicht sogar mit einem kurzen Gebet - etwa zum Schutzengel des Angesprochenen - verbinden, glauben wir doch an das Wirken der Schutzengel des Angesprochenen - verbinden, glauben wir doch an das Wirken der heiligen Engel.

In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Papst Johannes Paul II. kommentiert diese Stelle: »Die frohe Überraschung Elisabets zeigt, daß ein schlichter Gruß ein Geschenk sein kann, wenn er aus einem von Gott erfüllten Herzen kommt. Wie oft kann das Dunkel der Einsamkeit, das eine Seele bedrückt, vom Lichtstrahl eines Lächelns und eines freundlichen Wortes erhellt werden!

Ein gutes Wort ist leicht gesagt; doch bisweilen fällt es uns schwer, es auszusprechen. Die Müdigkeit hindert uns, die Sorgen bringen uns davon ab, ein Gefühl der Kälte und egoistischer Gleichgültigkeit hemmt uns. So kommt es, daß wir selbst an Menschen, die wir kennen, vorbeigehen, ohne sie anzuschauen, ohne zu bemerken, wie oft sie unter jenem zehrenden, zermürbenden Kummer leiden, der aus dem Gefühl herrührt, nicht beachtet, übersehen zu werden. Ein herzliches Wort, eine freundliche Geste genügen, und sogleich würde in ihnen etwas wiedererweckt; ein Zeichen der Aufmerksamkeit und Freundlichkeit kann wie ein frischer Wind wirken in der Abgeschlossenheit eines von Trauer und Niedergeschlagenheit heimgesuchten Daseins. Der Gruß Mariens erfüllte das Herz der nicht mehr jungen Base Elisabet mit Freude.«9

II. Der Frieden ist eines der Hauptmerkmale der messianischen Zeit. Der erwartete Messias ist Fürst des Friedens. Der übliche Friedensgruß eines Israeliten erhält im Munde Jesu seinen tiefsten Sinn, etwa wenn er zu der Sünderin oder zu der kranken Frau sagt: Geh in Frieden, oder wenn er seine Jünger zu einer Mission des Friedens aussendet mit dem Auftrag, wenn ihr ein Haus betretet, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!12

Im Neuen Testament ist Frieden die Frucht des Geistes und das, wonach wir voll Eifer streben sollen. Der heilige Paulus fordert die Christen oft auf, den Frieden nach außen zu wahren: Lebt in Frieden! Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.15

Hier zeigt sich uns der Frieden als ein gemeinsames Gut. Aus verständlichen Gründen ist das erste, woran wir beim Wort »Frieden« denken, die Welt und ihr Zustand. Oft genug zeigt sie sich nicht, wie es in der Enzyklika Pacem in terris heißt, als das »Ordnungsgefüge, das in der Wahrheit gegründet, nach den Richtlinien der Gerechtigkeit erbaut, von lebendiger Liebe erfüllt ist und sich schließlich in der Freiheit verwirklicht«16.

Die Worte des Herrn, die wir heute betrachten, weisen auf eine Reihenfolge hin, die bei ihm beginnt und zunächst ins eigene menschliche Innere führt. Er spricht von einem Frieden, der von ihm ausgeht und den er uns gibt, das heißt in unser Inneres einsenkt. Frieden ist zuerst ein innerer Zustand: Frucht des Strebens nach Einklang mit dem, der uns erschaffen und erlöst hat. Frieden im Inneren schließt das Streben nach Heiligkeit ein; mit anderen Worten, nach Einklang mit dem Willen Gottes. Dies heißt konkret: Geist und Leib, Verstand, Wille und Gemüt Gott zuzuwenden, zu kämpfen gegen die Selbstsucht, die uns innerlich spaltet, wie gegen die Neigung zum Bösen und gegen die ungeordneten Leidenschaften. Hierin gründet der Frieden, den wir dann weitergeben können: Wer Gott liebt, ist wie ein Baum, der gute Früchte bringt. Eine dieser Früchte ist der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt17: »Wenn Gott zu dir kommt, spürst du die Wahrheit der Grußworte: Frieden gebe ich euch ... Frieden hinterlasse ich euch ... Der Friede sei mit euch ... Und das mitten in der Bedrängnis.«18

Auch das Wort des heiligen Augustinus, Frieden sei die »Ruhe in der Ordnung«19, verweist auf unser Verhältnis zu Gott. Die liebende Hinordnung auf Gott schließt den Willen ein, die Sünde zu meiden und Christus als Mitte unserer ganzen Existenz zu sehen. Erst dann ist das geordnete Verhältnis zu den Mitmenschen und der Wunsch, in unseren Werken, Worten und Gedanken gerecht zu sein, fest begründet. Wir erfassen dann den tieferen Sinn des alttestamentlichen Wortes Opus iustitiae pax, das Werk der Gerechtigkeit ist der Friede20: »Dieses Leitwort ist der Innen- wie der Außenseite des Gemeinschaftslebens in gleicher Weise zugewandt. Es kennt nicht die schneidende Alternative >Liebe oder Recht<, sondern nur die schöpferische Verbindung >Liebe und Recht<«21.

Der Frieden in uns soll sich auf die Familie und die Gesellschaft übertragen, so daß nicht Ressentiments, Argwohn oder Intrigen die Atmosphäre prägen, sondern gegenseitiges Verständnis. Bloßes Fehlen von Spannungen, Gezänk oder Streitereien ist noch nicht Frieden. Frieden, das heißt, den anderen in all den Facetten seiner Menschlichkeit anzunehmen. Ein Kennzeichen des Willens zum Frieden ist, ob wir offen sind für die Anliegen der anderen - für ihre Freuden und ihre Sorgen.

III. »Der Friede auf Erden, nach dem alle Menschen zu allen Zeiten sehnlichst verlangten, kann nur dann begründet und gesichert werden, wenn die von Gott gesetzte Ordnung gewissenhaft beobachtet wird.«22 Dazu gehört die Achtung der Menschenwürde: Jedem menschlichen Zusammenleben, das gut geordnet und fruchtbar sein soll, muß das Prinzip zugrunde liegen, daß jeder Mensch seinem Wesen nach Person ist. Er hat eine Natur, die mit Vernunft und Willensfreiheit ausgestattet ist; er hat daher aus sich Rechte und Pflichten, die unmittelbar und gleichzeitg aus seiner Natur hervorgehen. Wie sie allgemein gültig und unverletzlich sind, können sie auch in keiner Weise veräußert werden.

Wenn wir die Würde der menschlichen Person nach den Offenbarungswahrheiten betrachten, müssen wir sie noch viel höher einschätzen. Denn die Menschen sind ja durch das Blut Jesu Christi erlöst, durch die himmlische Gnade Kinder und Freunde Gottes geworden und zu Erben der ewigen Herrlichkeit eingesetzt.«23

Seit jenen Tagen, da Jesus unter uns weilte, will er, daß wir durch unser Leben die Botschaft von der Würde des Menschen und seiner Gotteskindschaft überall in der Welt verbreiten. Dies ist ein Teil unseres persönlichen Zeugnisses als Christen: zu wuchern mit dem Reichtum des Friedens Christi unter allen Menschen guten Willens. Und das trotz unserer Unzulänglichkeiten, die viel zu offensichtlich sind, als daß uns dies je ganz gelingen könnte. Und doch sollten wir immer wieder versuchen, aus der Freude der Gotteskindschaft Leid und Ungemach lächelnd, opfernd und gelassen anzunehmen. Ein konkreter Vorsatz dieser Zeit des Gebetes könnte sein: »Niemand soll Traurigkeit oder Schmerz aus deinem Gesicht herauslesen, wenn du durch das unsichtbare Opfer Christus in deiner Umwelt gegenwärtig werden läßt: Kinder Gottes müssen immer Frieden und Freude aussäen.«24

Er ist unser Friede. Im Frieden der Gotteskindschaft fest gegründet, werden wir von den Schwankungen des Gefühls unabhängig, fähig also, gefühlsmäßigen Abneigungen oder auch eigenen Schrullen keinen Raum zu geben, die das Zusammenleben erschweren könnten. Auch sind wir besser gegen die Versuchung gefeit, durch Ironie, Härte im Urteilen, böswillige Kritik oder üble Nachrede das menschliche Miteinander zu vergiften. »Die Sprache ist darauf angelegt, die Gedanken des Herzens zum Ausdruck zu bringen und Einheit zu schaffen. Wenn sie jedoch in vorgefaßten Schemata gefangen ist, beeinflußt sie ihrerseits das Herz (...). Aus einem Herzen, das für das höchste Gut des Friedens gewonnen worden ist, entspringen die Bereitschaft zuzuhören und zu verstehen, die Achtung vor den anderen, die Rücksichtnahme, die in Wirklichkeit Stärke bedeutet, und das Vertrauen.«26

Wir bitten die Mutter Gottes, sie möge uns immer die Wege zum Frieden weisen. »Unsere Liebe Frau ist die Königin des Friedens. Mit diesem Namen preist die Kirche sie. Ist deine Seele aufgewühlt, droht Kummer in Familie oder Beruf, kündigt sich Unheil an in der Gesellschaft oder unter den Völkern, dann bete zu ihr: >Regina pacis, ora pro nobis!< - Königin des Friedens, bitte für uns!«27

Joh 14,27. - Regensburger Neues Testament, Bd.4 , Regensburg 1961, S.281. - 16,33. - Johannes Chrysostomos, Homilien über das Matthäusevangelium, 32,6. - 20,19-21. - vgl. 1,3; 1,7 usw. - Paul VI., , 1.1.1975. - 1,44. - Johannes Paul II., , 11.2.1981. - vgl. 9,5-7. - 7,50; 8,48. - 10,6. - 5,22. - vgl. 12,14. - 13,11. - Johannes XXIII., Enz. Pacem in terris, 11.4.1963, 167. - 4,7. - J.Escrivá, , 258. - Augustinus, Gottesstaat, 19,3,1. - 32,17. - Pius XII, Weihnachtsbotschaft 1942. - Johannes XXIII., a.a.O., 1. - ebd., 9. - J.Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr.59. - 2,14. - Johannes Paul II., Botschaft zum Weltfriedenstag 1979, 8.12.1978. - J.Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr.874.

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